Produktivität und Remote Arbeit

Published on: 01 Apr 11:52

Remote Arbeit ist ein umstrittenes Thema, das aus unterschiedlichen Perspektiven kritisiert oder gelobt wird. In diesem Artikel möchten wir verschiedene Aspekte aufgreifen, die es zu berücksichtigen gibt, wenn von Produktivität und remoter Arbeit gesprochen wird.

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Studien zur Entwicklung remoter Arbeit

Schaut man sich die Entwicklung der remoten Arbeit an, so gibt es zahlreiche Studien, die verschiedene Ergebnisse aufzeigen. So besagt eine Studie aus den USA von Strategy Analytics, dass die Zahl der weltweit Beschäftigten remoten Arbeiter von 2016 mit rund 38,8% bis 2022 auf etwa 42,5% steigen wird. Außerdem veranschaulichen Ergebnisse aus einer weiteren US-amerikanischen Studie, dass Arbeitnehmer das ortsunabhängige Arbeiten als ein Kriterium unter dem Stichwort “Flexibilität” priorisieren. Dahingehend haben sich Großkonzerne wie Apple oder Amazon dem Wunsch von Arbeitnehmern angepasst und remote Arbeitsplätze geschaffen.

Im Grunde weisen die Studienergebnisse darauf hin, dass remotes Arbeiten in der Tat vorteilhaft ist und Mitarbeiter zufriedengestellt und produktiver sind. Zudem profitieren auch Arbeitgeber in mehrfacher Weise, so sparen sie beispielsweise Ausgaben für das Büro. In Anbetracht dessen ist es nachvollziehbar, dass glückliche Mitarbeiter eine stabile Grundlage für Unternehmen jeder Art bilden. Wenn das Team Freude an der Arbeit empfindet und motiviert in den Tag startet, führt das nicht nur zu besseren Ergebnissen, sondern auch zu weniger Krankheitsfällen und begünstigt auch noch das Arbeitsklima.

Welche Faktoren gilt es nun für die Produktivität der remoten Arbeit zu berücksichtigen?

Zum Einen heißt es, dass remote Angestellte effizienter arbeiten, weil sie einen höheren Zufriedenheitsfaktor in Bezug auf ihren Job aufweisen. Die Kündigungsrate und Krankheitsfälle fallen zudem, wie eingangs beschrieben, geringer aus. Ein weiterer Punkt ist die Flexibilität, d.h. es fällt kein langer Arbeitsweg mehr an und die Zeit kann stattdessen in die Arbeit investiert und sinnvoll genutzt werden.

Seltener ist die Rede von Vertrauen, das aber auch eine wesentliche Rolle beim ortsunabhängigen Arbeiten spielt. Vertrauen, das auf Gegenseitigkeit beruht, fördert häufig nicht nur die Motivation der Arbeiter, sondern auch noch die Qualität der gelieferten Ergebnisse. Mitarbeiter schätzen das Privileg der remoten Arbeit und gestalten ihren Alltag sowohl individueller als auch familienfreundlicher. Beispielsweise gibt es Tage, an denen man unkonzentriert im Büro sitzt und dem Unternehmen nur Geld kostet. Remote Arbeiter können stattdessen ihren Tag freier gestalten. In "Powerphasen" sind sie produktiv und leisten, während in schwächeren Phasen eine Pause eingelegt werden kann, bis die Leistungsfähigkeit wieder ansteigt. Im Grunde wird dadurch neben der Wirtschaftlichkeit und Produktivität des Betriebs auch noch die Zufriedenheit der Mitarbeiter gesteigert, wodurch jeder Betroffene sich in einer Win-Situation befindet.
Obwohl es so viele positive Effekte gibt, stellte sich durch eine Studie mit mehr als 500 befragten Angestellten und Führungskräften heraus, dass die Kandidaten zu ihrer Einstellung bezüglich flexiblen Arbeitens befragt wurden und veranschaulichte, dass viele der positiven Effekte mit der Zeit auch wieder abnehmen und die “gesteigerte” Produktivität durch das remote Arbeiten wieder auf ein durchschnittliches Niveau sinkt. Die Gründe dafür können sehr individuell sein.

Coworking Spaces als Ersatz für Arbeitskollegen

Ein Team, das von zu Hause aus arbeitet, bedeutet aber auch Herausforderungen. Gruppen zu koordinieren, die in verschiedenen Zeitzonen arbeiten, kann problematisch sein und auch die Kommunikation dadurch beeinträchtigen. Für den einen mangelt es nach geraumer Zeit an Kommunikation und Interaktion von Angesicht zu Angesicht, weshalb das Gefühl der Bindung zum Unternehmen und der Produktivitätsfaktor abnehmen können. Nicht nur der Mangel an direkter Kommunikation, sondern auch das Gefühl von Einsamkeit und Isolation können bei dem ein oder anderen auftreten.

Mit diesem Hintergrund sind kollaborative Arbeitsräume oder Coworking-Arbeitsräume entstanden, in denen ortsunabhängige Arbeiter sich mit gleichgesinnten vernetzen und ihrer Arbeit nachgehen können und somit volle Isolation vermeiden. Die Zahl der Coworking-Arbeitsräume ist in den vergangenen Jahren gewachsen und wird weiterhin steigen.

Struktur und Selbstregulation



Abschließend ist zu sagen, dass Großunternehmen Jahre in eine durchdachte Infrastruktur investiert haben, die es ermöglicht wirtschaftlich zu sein und den Angestellten gute Bedingungen und Freiräume schafft. Die Bemühungen von Unternehmen sind eine nette Geste, aber trotzdem liegt ein Großteil der Verantwortung beim Betroffenen, remote Arbeiter. Deshalb hört man nicht selten den Rat von erfahrenen remote Arbeitern, wie wichtig es ist, den Tag gut zu strukturieren. Die Struktur unterstützt die Erreichung der maximalen Leistung. Es kann eine gewisse Zeit in Anspruch nehmen, bis jeder remote Arbeiter seine eigene Struktur und Routine gefunden hat. Selbstregulation ist hierbei ein wichtiger Faktor, der nicht jedem in die Wiege gelegt wurde. Doch auch das kann man sich aneignen. Auffallend ist, dass viele Neulinge des remoten Arbeitens, die aus dem gewöhnlichen Standardmodell des “9-to-5” kommen, sich anfangs zu wenige Pausen gönnen. Also, scheut euch nicht davor!


Quellen:


https://www.piqd.de/zukunft-der-arbeit/empirische-evidenz-eindeutig-mobiles-arbeiten-erhoht-produktivitat-und-umsatz
https://www.regus.ch/work-switzerland/surprising-t...
https://nozbe.com/de/blog/remote-team-productivity...
https://www.ebuero.de/blog/4-gruende-warum-remote-work-gluecklich-macht/
https://medium.com/we-build-state-of-the-art-software-creating/remote-arbeiten-kann-das-funktionieren-58d47c735569
http://money.cnn.com/2017/06/21/pf/jobs/working-from-home/index.html
https://www.tuc.org.uk/news/home-working-fifth-over-last-decade-tuc-analysis-reveals
https://www.strategyanalytics.com/strategy-analytics/news/strategy-analytics-press-releases/strategy-analytics-press-release/2016/11/09/the-global-mobile-workforce-is-set-to-increase-to-1.87-billion-people-in-2022-accounting-for-42.5-of-the-global-workforce#.Wv28O0gvw2w
https://www.inc.com/suzanne-lucas/survey-most-companies-lack-a-telecommuting-policy-heres-how-to-get-yours-started.html
https://www.cnbc.com/2018/01/04/the-top-25-companies-that-will-let-you-work-from-anywhere.html
https://www.cnbc.com/2017/04/17/amazon-is-hiring-5000-remote-workers-this-year–but-theres-a-catch.html
https://www.apple.com/jobs/us/aha.html
https://hbr.org/2014/01/to-raise-productivity-let-more-employees-work-from-home
https://www.forbes.com/sites/victorlipman/2016/05/02/are-remote-workers-happier-and-more-productive-new-survey-offers-answers/#32fb739e6663
http://autotime.co.uk/homeworkers-more-productive-than-office-based-staff/
https://www.nytimes.com/2017/02/15/us/remote-workers-work-from-home.html